Portefeuille-Analyse für Mittelständler und Kommunen

F.A.Z.. Dienstag, 18. Dezember 2007

Nicht nur Großkonzerne, auch Mittelständler und kommunale Unternehmen nutzen moderne Finanzinstrumente, um sich zu finanzieren und sich gegen Zinsänderungsrisiken abzusichern. Allerdings sind diese Instrumente oft kompliziert, und deshalb sind die mit ihnen einhergehenden Risiken nicht immer leicht zu erkennen. Das zeigt nicht zuletzt der Streit um die Verluste in Millionenhöhe, die einer Reihe von Kommunen durch die Nutzung von "Constant Maturity Spread Ladder Swaps" entstanden sind.

Ein Frankfurter Jungunternehmen, die KFPD GmbH, ist angetreten, diese Informationsdefizite zu beheben. Über eine neue Internetplattform "sals.a" (für "Sales Assistant") bietet sie ihren Kunden ein interaktives Finanz- und Schuldenmanagement. Das Angebot richte sich an mittelständische Unternehmen und Kommunen, sagt Lauri Karp, der mit seinem Zwillingsbruder Margo die estnische Muttergesellschaft KFP Development, Tallinn, gründete. Über die Internetplattform könnten die Nutzer eine Vielzahl von Finanzpositionen in einem einzigen System erfassen, verwalten und kontinuierlich bewerten. Sals.a arbeitet mit dem Informationsdienstleister Reuters zusammen, der fortlaufend Marktdaten liefert.

Auch viele Mittelständler und Kommunen hätten oft größere Portefeuilles an Finanzpositionen, erläutert Karp. Dazu zählten dann zum Beispiel mehrere Kredite mit unterschiedlichen Laufzeiten, fixen und variablen Zinsen in unterschiedlicher Höhe sowie je eigenen Tilgungsvereinbarungen, ferner auch Zins-Optionen, Zins-Deckel ("Caps") sowie Währungsgeschäfte und Sicht- und Terminguthaben. "Sals.a" ermöglicht es nicht nur, das Gesamtportefeuille mit aktuellen Marktpreisen zu bewerten, sondern auch durchzuspielen, wie sich bestimmte Zinsentwicklungen auf das Portefeuille und dessen Zahlungsströme auswirken.

So lässt sich laut Karp zum Beispiel per Knopfdruck berechnen, welche Folgen eine Verschiebung der Zinsstrukturkurve um einen Prozentpunkt nach oben oder unten für die Zahlungsströme des Nutzers hätte. Fest programmiert und abrufbar seien die Zinsänderungsszenarien, welche die deutsche Bankaufsicht (Bafin) bei der Prüfung des Risikomanagements der Banken durchzuspielen vorschreibe, sagt Karp.

Darüber hinaus ließen sich selbstgewählte Szenarien testen. Die Kunden könnten damit die Risiken des eigenen Portefeuilles transparent machen - was es nicht zuletzt ermögliche, die Kreditverhandlungen mit den Banken auf eine ganz neue, fachmännische Ebene zu heben.

Die Kosten für die Nutzung der Online-Plattform samt den Datenzulieferungen von Reuters beziffert Karp auf "weniger als 500 Euro je Monat für zwei Installationen in einem Unternehmen". Mit diesem Angebot wollen die Zwillinge im deutschsprachigen Raum bis Ende 2008 rund 1000 Kunden gewinnen und ins Ausland expandieren. Zudem soll der Dienst rasch erweitert werden: im ersten Quartal 2008 um Rohstoffe und Wechselkurse, später auch um Aktien. Die estnische Muttergesellschaft hat laut Karp ein Grundkapital von einer Million Euro; es werde zu zwei Dritteln von den Zwillingsbrüdern gehalten, der Rest von den Mitarbeitern. In Estland beschäftige man 20 Angestellte, darunter viele Programmierer, in Deutschland sollen es bald 20 bis 30 sein, teils in der Entwicklung, teils im Vertrieb. bf.

Text: F.A.Z., 18.12.2007, Nr. 294 / Seite 22 | Faz.net Artikel

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