Finanzen steuern wie "die Großen": Auch Mittelständler können jetzt die Vorteile von Zinsinstrumenten nutzen

Lauri Karp. Mittwoch, 30. April 2008

Artikel erschienen am Arbeitskreis Wirtschaft, Region Saarbrücken

Die Finanzkompetenz im Mittelstand ist in den vergangenen Jahren deutlich gewachsen. Auch kleine und mittlere Unternehmen sind sich heute bewusst, dass langfristiger wirtschaftlicher Erfolg eine vorausschauende und sorgfältig geplante Finanzierung benötigt. Zudem verwenden sie immer häufiger innovative Finanzinstrumente, die sich seit längerem in Konzernen und Großunternehmen bewährt haben. Möglich geworden ist dies nicht zuletzt durch ein immer besser auf individuelle Bedürfnisse ausgerichtetes Produktportfolio der Banken. Dem Wunsch, die eigenen Finanzen so zu steuern wie „die Großen“ können kleine und mittlere Unternehmen jetzt noch näher kommen, denn seit kurzem sind auch die Vorteile eines aktiven Zinsmanagements für sie nutzbar.

Welche Chancen sich hieraus ergeben, lässt sich anhand eines Beispiels verdeutlichen: Ein Unternehmen hat vor einigen Jahren in einer Phase hoher Zinsen ein Darlehen mit langfristiger Zinsbindung aufgenommen. Damals erschien diese Entscheidung sinnvoll, da man sich gegen einen weiteren Zinsanstieg absichern wollte. Das Zinsniveau ist jedoch seitdem gefallen, und dennoch ist die finanzielle Belastung aufgrund der langfristigen Vereinbarung unverändert hoch geblieben. Vorzeitig beenden ließe sich die Zinsverpflichtung nur gegen Zahlung einer Vorfälligkeitsentschädigung. In einer solchen Situation bieten Zinsinstrumente eine hochinteressante Alternative. Denn sie ermöglichen es z.B., die bestehende Finanzierung ohne zusätzliche Kosten sofort günstiger zu gestalten.

Instrumente für ein aktives Zinsmanagement gibt es in verschiedenen Formen und für unterschiedliche Anwendungen. Allen ist jedoch gemeinsam, dass sie Finanzoptimierungsmöglichkeiten eröffnen, die mit klassischen Produkten nicht darstellbar sind. Ein Beispiel ist der sogenannte Zins-Swap – ein Instrument, mit dem man bei bestehenden Krediten eine Zinskostensenkung ohne zusätzlichen Liquiditätseinsatz erzielen kann. Hierbei handelt es sich um einen vertraglich vereinbarten Tausch von unterschiedlich gestalteten Zinszahlungen (z.B. fest gegen variabel) für eine vorab festgelegte Laufzeit bezogen auf einen bestehenden Darlehensbetrag. Bei einer solchen Vereinbarung läuft das zugrunde liegende Darlehen unverändert weiter: Es fließt keine Liquidität, denn das Tauschgeschäft findet getrennt vom Grundgeschäft statt. Wichtig ist auch: Die kreditgebende Bank und der Vertragspartner für den Swap müssen nicht identisch sein. Für das Unternehmen bedeutet dies eine erhöhte Flexibilität und mehr Unabhängigkeit von der Hausbank.

Die folgende Zins-Swap-Variante – bekannt unter dem Namen „Receiver Swap“ – ist in der Praxis besonders verbreitet und veranschaulicht die Funktionsweise dieses Instruments: In Erwartung fallender Geldmarktzinsen empfängt das Unternehmen vereinbarungsgemäß einen festen Zinsstrom, der so ausgewählt ist, das er den Zinsverpflichtungen für das bestehende Darlehen entspricht. Im Gegenzug zahlt es einen variablen Zinsstrom, dessen Höhe sich an einem Geldmarktsatz orientiert (üblicherweise am 3- bzw. 6-Monats-EURIBOR zzgl. einer rechnerischen Marge). Der Vorteil für das Unternehmen: Es partizipiert an fallenden Geldmarktzinsen, ohne den Darlehensvertrag aufzulösen. Der Swap kann einen positiven oder negativen Marktwert aufwei-sen. Bei Bedarf ist es jedoch jederzeit möglich, ihn aufzulösen bzw. durch einen Gegen-Swap wirtschaftlich zu neutralisieren.

Die Anwendungsmöglichkeiten von Zinsinstrumenten gehen jedoch über die Senkung von Finanzierungskosten weit hinaus. Vielfältig einsetzbar sind sie auch zur Absicherung von variablen Krediten gegen negative Marktentwicklungen sowie zur Renditesteigerung von Anlagen, die kurzfristig verfügbar bleiben sollen, jedoch eine unattraktive Rendite abwerfen. Sogar jenseits von Krediten und Anlagen gibt es interessante Einsatzgebiete: So können mit Zinsinstrumenten prinzipiell alle Cashflow-Arten optimiert werden, z.B. auch Mieteinnahmen. Die Liste der möglichen Anwendungen ließe sich fortsetzen. Denn es gilt: Wer Zinsinstrumente verwendet, kann nicht nur von Zinsschwankungen sondern auch von vielen anderen aktuellen Finanzmarktentwicklungen profitieren, z.B. von Rohstoffpreis- oder Wechselkursänderungen. Die möglichen Effekte sind für den Nutzer im Voraus genau bekannt. Dies bedeutet: Risiken im Falle einer negativen Entwicklung lassen sich exakt kalkulieren und zuverlässig begrenzen. Demgegenüber steht die Möglichkeit, neue Chancen zu nutzen und an einer positiven Entwicklung unbegrenzt zu partizipieren.

Die Voraussetzung hierfür ist eine solide Vorbereitung: Am Anfang steht eine sorgfältige Analyse des Schulden- bzw. Anlagenportfolios, denn erst im Zusammenspiel mit dem Grundgeschäft entfalten Zinsinstrumente die gewünschte Wirkung. Nach einer umfassenden Bestandsaufnahme können die geeigneten Instrumente und deren Einsatzmöglichkeiten – z.B. Absicherung oder Optimierung – gezielt evaluiert und ausgewählt werden. In jedem Fall sollte sichergestellt sein, dass die Bank bzw. die Berater des Unternehmens im Umgang mit diesen Instrumenten über umfangreiche Erfahrung verfügen. Zugleich ist es wichtig, dass die Bank – beim Beratungsgespräch üblicherweise vertreten durch den Kundenbetreuer und den Fachbetreuer „Kapitalmarktinstrumente“ – die mit Zinsinstrumenten verbundenen Einflussfaktoren detailliert erläutert und anschaulich macht – auch mit Blick auf „best case“- und „worst case“-Marktentwicklungen. Grundsätzlich sollten die zur Anwendung gebrachten Lösungen hochtransparent sein und über ein leicht verständliches Gebührenmodell verfügen. Unter dieser Voraussetzung bieten Zinsinstrumente ihren Nutzern viele interessante Anwendungsmöglichkeiten.

 

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