Währungssicherung – wann ist der richtige Augenblick?
Lauri Karp. Dienstag, 27. Oktober 2009
Diese „1 Million Dollar Frage“ wird fast in jedem Gespräch mit Finanzleitern zum Thema Währungsabsicherung gestellt. Die hohe Wechselkursvolatilität der Jahre 2008 und 2009 berührte jedes Unternehmen, da fast alle Sicherungsinstrumente zwischenzeitlich ein Wechselspiel zwischen negativen und positiven Marktwerten vollführten.
In unserem EduResearch von Juni 2009 haben wir einen ersten Schritt zu mehr Klarheit gemacht, indem wir die Performance eines Termingeschäfts mit der einer Währungsoption verglichen haben. Dabei haben wir jeweils am Jahresanfang gesichert und das Ergebnis am Jahresende analysiert. Jedoch möchten viele Kunden naturgemäß auch während eines Jahres Entscheidungen fällen. Dabei spielt das Timing eine nicht unwichtige Rolle. Wir untersuchen heute drei Methoden der Timingbestimmung:
- Zeitpunkt und Richtung von Prognosen bestimmen die Art der Sicherung (diskretionär)
- Marktpreise bestimmen die Art der Sicherung (regelgebunden)
- Zufallsprinzip oder Termin bestimmt die Art der Sicherung (ereignisgebunden)
Fangen wir gleich mit der dritten Variante an, dem „ereignisgebundenen“ Entscheiden. Hier werden Währungsgeschäfte mehr oder weniger „aus dem Bauch“ heraus entschieden. Meist wird bei Fälligkeit eines Geschäftes in der Kasse durchgehandelt und der dann herrschende Marktpreis akzeptiert oder es wird quasi „nach Lust und Laune“ und Tagesverfassung eine Sicherung abgeschlossen und gehofft, dass dies der richtige Zeitpunkt war und bleiben wird.
Es gibt aber auch wirtschaftlichere Methoden. Zum Einen die diskretionäre und zum Anderen die regelgebundene Entscheidungsfindung. Bei regelgebundenen Handlungen werden ganz konkrete Punkte vorgegeben, bei deren Eintritt eine bestimmte Sicherung, also zum Beispiel eine Währungsabsicherung, vorzunehmen ist. Beispielsweise kann ein bestimmter Marktpreis, Terminkurs oder auch eine Volatilitätskennziffer als Grenze gesetzt werden, bei deren Erreichen sodann Fremdwährungen eingekauft oder auf Termin verkauft werden.
Bei der diskretionären Art werden Entscheidungen auf Grund von Einschätzungen zu bestimmten Zeitpunkten oder Zeiträumen durchgeführt. Meist werden die Sicherungsstrategien an Prognosen von Banken oder anderen professionellen Marktteilnehmern ausgerichtet. Sofern die Prognosen nachvollziehbar und sinnvoll sind, ist dies die sicherlich nach außen gut kommunizierbare Form einer Währungssicherung. Aber egal, für welche Methode der Timingbestimmung man sich entscheidet, dürfen Entscheidungen niemals unter Unwissenheit getroffen werden, wenngleich dies dennoch stets unter Unsicherheit geschieht.
In der nächsten Ausgabe des Blickpunkts werden wir diese drei Methoden mit Marktdaten analysieren und einem systematischen Vergleich unterziehen.Aktuelle Nachrichten
