Risikomanagement in Zeiten der Krise
Lauri Karp. Mittwoch, 29. April 2009
Familienunternehmen und Absicherung von Finanzinstrumenten. Unternehmeredition Nr. 2/09: „Mittelstandsfinanzierung 2009“
Die Finanzkrise hat ein verbessertes Risikomanagement in den Vordergrund gerückt. Spektakuläre Fälle aus dem Bankensektor haben jedoch viele Unternehmen verunsichert, ob moderne Finanzinstrumente wirklich Nutzen stiften. Nicht der kurzfristige Wert es Aktienkurses, sondern das Streben nach stabilen Cashflows umschreibt ambesten die Logik einer konservativen Finanzsteuerung in inhabergeführten Unternehmen. Diese Stabilität ist seit demEinbruch derWeltwirtschaft vorbei, und es wird die teils existentielle Frage aufgeworfen: Müssen Unternehmen heutemehr Risikomanagement betreiben, oder ist ein Abwarten bei Nicht-Planbarkeit der Auftragslage eher angemessen?
Risiken gibt es immer
Ein Risiko geht jeder ein, der auf Dauer kein Risiko eingeht. Risiken sind Teil jeder Unternehmenstätigkeit. ImKern geht es imRisikomanagement entweder umoperative Vorkehrungen und/oder die Absicherungmit Finanzinstrumenten. Erstere umfasst unter anderem Maßnahmen wie dieWeitergabe von Preisrisiken, Gleitklauseln, Standortverlagerungen oder die Substitution von Rohstoffbestandteilen, umeigene Cashflows vor unerwünschten Finanzpreisveränderungen zu schützen. Auf der anderen Seite stehen unverbriefte Transaktionen wie Termingeschäfte oder Optionen. Diese derivativen Finanzinstrumente haben eine über 25 Jahre lange Historie und sind als etabliert zu betrachten. Der Fall der Mindestgrößenordnungen für diese Produkte aufmittlerweile 250.000 Euro zeigt, dass eine breite und unmittelbare Anwendung für Währungen, Zinsen oder Rohstoffemöglich ist.
Spekulation wird zum Absicherungsgeschäft
In der Presse wird der Einsatz von Finanzinstrumenten häufig als Spekulation tituliert.Dies greift zu kurz. Absicherung bedeutet, dass ein „spekulatives“ Grundgeschäftmit einem „spekulativen“ Finanzinstrument in Verbindung gebracht wird und somit
durch einen gegenseitigen Ausgleich etwas „Nicht-Spekulatives“ entsteht. Nur beim Fehlen des korrespondierenden Grundgeschäftes kann beimisolierten Einsatz von Finanzinstrumenten von Spekulation gesprochen werden. Ein Vorliegen des Grundgeschäftes ist beimabsolut überwiegenden Anteil der Unternehmen jedoch die Regel.
Operative Maßnahmen sind nicht ausreichend Die Finanzkrise hat deutlich gezeigt, dass rein operative Maßnahmen keine absolute Kalkulationssicherheit in Cashflowsmit sich bringen. Unternehmen, die ausschließlich in Euro fakturieren, beobachten, dass sogar deutsche Produkte über Umwege aus Ländernmit abgewerteten Währungen hierzulande billiger angeboten werden. Andererseits fragen Partnerunternehmen in den Nicht-Euro-Ländernmehr Rabatte nach oder streben eine Nachverhandlung der Preise an, da die in Euro zahlbare Lieferung für die Kunden einen währungskursbedingten Mehr aufwand bedeutet. Auch der klassische Festpreisvertrag in der Rohstoffbeschaffung ist nichtmehr „risikolos“. Jemehr die Auftragslage schwankt und Kunden wegfallen, desto mehr wird eine Abnahmeverpflichtung in derMenge zum weiteren Risiko. Somit ist die Trennung von der laufenden Beschaffung und dem Preisrisikomanagement eine häufig umgesetzte Vorgehensweise.
Fazit:
Die Anpassungsfähigkeit und langfristige Sicht von inhabergeführten Unternehmen imoperativen Geschäft soll ebenfalls für das Risikomanagement gelten. Die Flexibilität von Finanzinstrumenten im Praxiseinsatz und die von den liquiden Märkten angebotenen langen Laufzeiten bieten gerade in volatilen Perioden wertvollen Nutzen.
Unternehmeredition – Know-how für den Mittelstand
Nr. 2/09 (30.4.): Mittelstandsfinanzierung 2009 – das bewährte Nachschlagewerk (Seite 132)
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